Marktanalyse Photovoltaik-Dachanlagen: Konsequenzen für das Ausschreibungsmodell – Eine Einschätzung

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat auf seinen Internetseiten die Marktanalyse Photovoltaik-Dachanlagen veröffentlicht. Das Bundeswirtschaftsministerium legt mit diesen Marktanalysen „die Grundlage für die Gestaltung der Ausschreibungen“, die das Fördersystem des EEG in Zukunft bestimmen sollen. Was da auf die Energiewende zukommt, versuche ich im Folgenden zu skizzieren. Hoffnung macht die Analyse nicht.

Zunächst werden die aktuelle Marktsituation, die Entwicklung und die Ausbaupotenziale beschrieben, Planung und Realisierung von PV-Dachanlagen mit anderen Erneuerbaren Energien verglichen und die Wettbewerbssituation im Markt untersucht. Aus meiner Sicht ist die Betrachtung des BMWi zu kurz gegriffen und berücksichtigt nicht die wesentlichen Konsequenzen aus den Entwicklungen der letzten Jahre, die Auswirkungen eines Ausschreibungsmodells werden nicht diskutiert.

Beim aktuellen Stand werden die Zahlen zur installierten Leistung (38,2 GW) und Stromerzeugung (33 TWh = 33 Mrd. kWh) bei einer Anlagenzahl rd. 1,5 Mio angegeben. Gleichzeitig wird ein starker Rückgang des jährlichen Ausbaus seit 2012 konstatiert. Nach Größenklassen liegen nunmehr nach Leistung und Anzahl die kleinen Anlagen < 10 kW deutlich vorne statt wie in der Vergangenheit die mittleren bis großen. Statt von einer „Umkehr des Trends“ zu sprechen, müsste an dieser Stelle ganz klar von einem noch größeren Einbruch bei den großen Anlagen gegenüber den kleineren gesprochen werden. Die Art der Formulierung ist bezeichnend für die Art der Interpretation der Gesamtsituation. Es geht nicht um die Förderung der Solarenergie, sondern um Begrenzung des Ausbaus und scheinbare Kostenreduktion.

Der Rückgang der Zubauleistung wird einzig mit der gesunkenen Förderung begründet. Die langwierige und von einer hochgebauschten medialen Negativdiskussion begleitete gesetzgeberische Tätigkeit, die rückwirkenden Eingriffe und damit verbundenen ungewissen Kalkulationsgrundlagen über Monate hinweg haben ebenso dazu beigetragen, Bürger und Banken abzuschrecken. Gerade für die letzten Jahren jedoch lässt sich anhand der Grafiken 3 und 4 ablesen, dass entgegen einer typischen immer langsamer sinkenden Lernkurve (exponentielle Abnahme) die Vergütung im schneller gesunken ist. Die gesunkenen Preise werden als Beweis für technologische Entwicklung wie auch als Konsequenz weltweiter Produktionsüberkapazitäten dargestellt. Es wird dabei verkannt, dass die Produktionskapazitäten eine Reaktion auf einen wachsenden Markt waren und die jetzt verbliebenen Überkapazitäten ein Resultat des Einbruchs bei der Abnahme darstellen.

Schon im ersten Absatz wird die erzeugt Solarstrommenge mit der Bruttostromerzeugung verglichen und damit wie auch im restlichen Teil der Vorteil des so gut wie nicht verlustbehafteten und nicht Netz belastenden Vor-Ort-Verbrauchs verschwiegen. Unabhängig davon, ob ein Eigenverbrauch angerechnet wird oder nicht, bleibt der physikalische Stromfluss identisch. D.h. 30% des erzeugten Solarstroms werden vor Ort verbraucht, nur die Richtung durch den Stromzähler ist verschieden, und reduzieren somit den Transport über das Netz um 30%, hinzukommen die vermiedenen Transporte des Stroms, der in der unmittelbaren Umgebung verbraucht wird, in Häusern, auf denen (noch) keine PV-Anlage installiert ist.

Einen großen Rückschritt in den Ausschreibungen sehe ich darin, dass bei den Freiflächenanlagen (FFA) der Eigenverbrauch und die Direktvermarktung ausgeschlossen wurden und Zuwiderhandlung mit dem Verlust der kompletten Förderung (inkl. Rückzahlung bereits erhaltener Förderung) bestraft wird. Werden die Ausschreibungskriterien für Dachflächen ebenso gestaltet, wäre das aber das Aus für PV-Anlagen bei Privathaushalten, da der Eigenverbrauch bei kleinen Anlagen als sehr wichtig und quasi ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit beschrieben wird.

Anders als beschrieben dürfte auch für Gewerbe und Industrie der Eigenverbrauch zukünftig entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sein, da aus meiner beruflichen Erfahrung der Energiepreis gegenüber den staatlich veranlassten Steuern, Abgaben und Umlagen sowie den Netznutzungsentgelten an Bedeutung verloren hat, seitdem die Börsenpreise mehrere Jahre lang gesunken sind. Bis 2018, teilweise auch 2019 und 2020, sind die Energiepreise schon mit dem Versorger vereinbart, der die Mengen bereits an der Börse eingekauft hat. In den kommenden Jahren dürfte jedoch der Preis wieder steigen, sofern der Strommarkt nicht gänzlich zusammenbricht. Damit sind Eigenerzeugungsanlagen ein wichtiger Weg die benötigte Energie günstig zu beschaffen.

Das Gesamtpotential für Deutschland wird mit 100 GW nur halb so hoch angesetzt, wie es z.B. Prof. Volker Quaschning fordert. Zudem wird darauf verwiesen, dass nur noch 14 GW bis zur willkürlich gesetzten Grenze von 52 GW überhaupt vom EEG gefördert werden. Bleibt zu hoffen, dass es bis dahin ohnehin bei jedem angekommen ist, dass es eigentlich ausreicht, wenn die PV-Anlage genauso viel kostet wie der Strom der nächsten 30 Jahre zu heutigen Preisen.

Ohne die Absenkung des vorgesehenen Zubaukorridors, läge der aktuelle Zubau dramatisch unter den Zielen und auch mit dem neuen Korridor werden diese nicht erreicht. Von der Notwendigkeit oder dem Ziel den Ausbau wieder zu stärken ist an keiner Stelle die Rede. Die Überkapazitäten werden damit weiter bestehen bleiben und die Akteure unter Druck setzen. Damit sinken aber die Anreize für weitere Innovationen und ein weiteres Absinken der Preise wird schwieriger. Es wird bereits ein stagnierendes Preisniveau in Europa beobachtet, von Maßnahmen der EU gegen chinesische Konkurrenz bestimmt wird.

Die Risiken werden als vergleichsweise niedrig beschrieben, insbesondere die Preisentwicklung von Modulen und Systemen sowie die zukünftige Entwicklung der Strompreise in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit des Eigenverbrauchs werden genannt. Ausgeblendet werden die politischen Eingriffe, denen der PV-Markt ausgesetzt ist, von rückwirkenden Änderungen bis hin zu zusätzlichen Belastungen wie der anteiligen EEG-Umlage ab 10 kW um die allgemeine Belastung durch Letztverbraucherabgaben zu senken, die erst in den letzten Jahren mit zahlreichen neuen Umlagen von derselben Regierung geschaffen wurden.

Die Bewertung der Wettbewerbssituation zeigt mit Tabelle 4, dass zwar 95% der Anlagen in den Klassen unter 40kW liegen aber nur 60% der Leistung stellen. Die Anzahl der Anlagen lässt darauf schließen, wieviele Bürger daran beteiligt sind und wie dezentral die Erzeugung aufgebaut ist. Dagegen stehen gerade die großen Anlagen für günstigeren Solarstrom, diese sind als einzige ein lohnendes Ziel für Großinvestoren, die eine Ausschreibung auch auf sich nehmen würden. Große nicht ausgebaute Dächer gibt es dagegen vermutlich wirklich nur noch wenige, wie bereits Matthias Maus konstatiert hat. Kleinere geeignete Dächer sehe ich noch genug, jedoch ohne interessant für Großinvestoren zu sein.

Ausschreibungen, die auf Basis einer solchen Marktanalyse, gestaltet werden, verheißen nichts gutes. Eine Beschreibung der Situation, ohne Reflektion der Prozesse, die zu derselben geführt haben, ohne Wahrnehmung der negativen Einflüsse von Seiten der Politik, ohne Würdigung der positiven Effekte der Solarenergie kann eine volle Entfaltung des Solarpotentials zu den möglichen geringen Kosten nicht gerecht werden:

  • Der Ausschluss des Eigenverbrauchs wäre konsequent im Hinblick auf die Ausschreibung für Freiflächenanlagen, würde aber noch höhere Vergütungen erfordern.
  • Der Aufwand ein Ausschreibungssystem zu entwickeln, in dem letztlich nur 14 GW gefördert werden ist hoch und bremst den erforderlichen Zubau aus. Auch die Bedeutung der Solarenergie an sich wird damit in Abrede gestellt.
  • Bei Ausschluss des Eigenverbrauchs wird der wesentliche Vorteil des Vor-Ort-Verbrauchs nicht an die Nutzer weitergegeben und damit der Anreiz zu angepasstem Nutzerverhalten entzogen, was aber für das Netz eine Entlastung darstellen würde. Investitionsanreize werden damit stark reduziert.
  • Der Umbau des EEGs an sich hat eine große Verunsicherung in den Markt gebracht, die auch mit der Umstellung auf Ausschreibungen weiter zunehmen und damit den Zubau noch weiter einschränken dürfte.
  • Die Fortsetzung der bisher erzielten technologischen Fortschritte werden aufs Spiel gesetzt und die aufgebauten Produktionskapazitäten verschenkt.
  • Die bisherigen Risiken unter dem alten EEG waren überschaubar, vor allem auch für Privatpersonen. Die Teilnahme an einer Ausschreibung ist dagegen eine ganz andere Klasse.
  • Das alte EEG hat eine große Zahl von kleinen Akteuren begünstigt und so eine sehr differenzierte Wettbewerbssituation gegenüber dem Markt für Großkraftwerke geschaffen. Wer heute noch nicht sein Dach auf Basis des alten EEG mit einer PV-Anlage bedeckt hat, wird auch zukünftig nicht die mit einer Ausschreibung verbundenen Kosten auf sich nehmen, um dann mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht gefördert zu werden.

Der auf Seite 3 der Marktanalyse genannte „Zweck der Begrenzung des Zubaus“ als einer der Gründe für die Senkung der Vergütungssätze, lässt sich bei weiter fallenden Systempreisen langfristig nicht erreichen, auch die anteilige EEG-Umlage als weitere Abschreckung reicht nicht aus. Das Ziel einer Mengensteuerung mit höherem Ausbau kommt ohne höhere Kosten für die Allgemeinheit nicht aus, gleichbleibende Kosten für die Allgemeinheit bewirkt höhere Kosten für die Betreiber, so dass der Ausbau noch weiter zurückginge. Eine Ausschreibungspflicht im Dachflächensegment ist daher in sich widersprüchlich, zumal von der EU gar nicht gefordert, sondern als Ausnahme akzeptiert. Entscheidend wird sein, ob ein Eigenverbrauch oder eine Direktvermarktung zugelassen wird, welche Dachflächen ausgeschrieben werden und in welchem Umfang.

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