Klimaschutz ist auch Kriegsprävention
ursel risch | 17.12.2009 | Allgemein | 0 Kommentare |

IPPNW-Statement vom 17. Dezember 2009

Energieemanzipation als Friedenssicherung

Ein Scheitern des Weltklimagipfels in Kopenhagen wäre auch aus friedenspolitischer Sicht katastrophal. Den Prognosen der Klimaforscher zufolge wäre die Stabilität von Gesellschaften und Staaten gefährdet, Millionen Menschen wären zur Flucht aus ihren immer stärker zerstörten Heimatländern gezwungen. Auch deshalb müssen sich die Staatschefs in Kopenhagen auf wirksame, klar befristete und völkerrechtlich verbindliche Klimaschutzziele festlegen, betont die deutsche Sektion der internationalen Friedensorganisation IPPNW.

“Effektiver Klimaschutz hat zwei Säulen”, erklärt IPPNW-Energieexperte Henrik Paulitz. „Es geht einerseits darum, die massive Energieverschwendung zu beenden. Die Förderung von Großverbrauchern wie die Aluminiumindustrie oder von Flugbenzin muss ebenso ein Ende haben wie der massenhafte Transport von Billigprodukten um die halbe Welt. Wir fordern stattdessen eine Rückbesinnung auf die regionale Produktion wichtiger Güter.“

Andererseits geht es laut Paulitz um den schnellstmöglichen Ersatz der fossilen Energieträger durch erneuerbare Energien. „Eine Nutzung der Atomenergie ist wegen der Super-GAU-Gefahr, aber auch wegen friedenspolitischer Gefahren wie etwa im Iran nicht länger zu verantworten, zumal wir auf den Zwei-Prozent-Beitrag der Atomenergie zur Weltenergieversorgung problemlos verzichten können. Erneuerbare Energien können binnen kurzer Frist den Energiebedarf der gesamten Menschheit decken, wenn überflüssiger Energieverbrauch vermieden und die Subventionierung fossiler Energien eingestellt wird.“

Aus friedenspolitischen Gründen fordert die IPPNW ein systematisches Umsteuern auf eine dezentrale Energieerzeugung, unter anderem mit Solaranlagen auf Hausdächern und Gebäudefassaden. „Denn die bisherige Kontrolle über die Gewinnung und den Transport der Energie in den Händen weniger Verbraucherländer und Großkonzerne ist eine der wesentlichen Quellen von Konflikten und Kriegen in unserem Erdölzeitalter. Bei der Neustrukturierung unserer Energieversorgung mit erneuerbaren Energien dürfen wir diesen Fehler nicht wiederholen”, so Paulitz. „Die Gefahr des Missbrauchs durch Machtmonopole der Konzerne und Verbraucherländer, insbesondere auch die Gefahr, dass Energie erzeugende Länder zu Kriegszielen werden, muss weitestgehend ausgeschlossen werden.“

Nach Auffassung der IPPNW muss daher die Kontrolle über die Energieerzeugung in den Händen der Menschen selbst bleiben. Paulitz: „Die alten Konzerne greifen nicht nur nach der Kontrolle über die Neuen Energien, sondern erwarten auch noch, dass dies vom Steuerzahler mit Milliarden subventioniert wird. Das muss im Interesse von Kriegsprävention und Friedenssicherung verhindert werden. Der dezentrale Weg wurde längst mit großem Erfolg beschritten. Die Energieemanzipation der Menschen muss nun konsequent und forciert fortgesetzt werden.”

Kontakt: Henrik Paulitz, Tel. 0032-485-866 129, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Email: ippnw@ippnw.de


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