Berlin (dpa) – Die neue Greenpeace-Studie «energy (r)evolution» soll den Handlungsdruck der Politik für durchgreifenden Klimaschutz deutlich erhöhen. Mit dem weltweiten Verzicht auf die Atomkraft und einem zügigen Ausstieg aus Kohle-Kraftwerken will sie vor allem den Industrieländern, aber allmählich auch den Schwellenländern wie China und Indien ihren Tribut abverlangen. Instrumente sind Einsparungen beim Verbrauch von Strom, Heizenergie und Kraftstoffe sowie ein rasanter Umstieg von der Öl- und Gas- in eine Öko-Energiewirtschaft.
Über alle regionalen Unterschiede hinweg soll der Energieverbrauch weltweit sinken. Erneuerbare Energien sollen 2020 bereits ein Drittel des weltweiten Strombedarfs decken. 2030 sollen es 50 Prozent und 2050 mehr als 80 Prozent sein. Die dazu nötigen hohen Investitionen von rund 9 Billionen Dollar bis 2030 müssten nur vorfinanziert werden: Mit dem schrittweisen Schließen der Kohle-Kraftwerke – die letzten könnten etwa 2050 dichtmachen – sparten die Unternehmen nämlich andererseits Brennstoff-Kosten in Höhe von 18 Billionen Dollar. In neue Öko- Energiekapazitäten wurden 2007 rund 71 Milliarden Dollar investiert. «In den nächsten Jahrzehnten ist ein Wachstum auf über 350 Milliarden Dollar pro Jahr möglich», heißt es.
Der Report der Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) geht davon aus, dass bei der Windenergie die Wirtschaftlichkeit bereits erreicht ist und binnen fünf Jahren auch bei den meisten anderen «Erneuerbaren» wie Photovoltaik oder Erdwärme. Biomasse bleibt im Unterschied zum Biosprit laut Greenpeace wichtig – und zwar für den Wärmebereich. Ausgangspunkt aller Überlegungen ist der Energieweltbericht 2007 der Internationalen Energie-Agentur (IEA) in Paris, die ein jährliches Wachstum der Weltwirtschaft von 3,3 Prozent unterstellt. Die jetzige Studie erweitert dies in einem «Revolutions»-Szenario bis 2050, teils bis 2100.
Greenpeace fordert, der globale CO2-Ausstoß müsse nach 2015 zurückgehen. Das soll bei den Kyoto-Nachfolgeverhandlungen für ein neues weltweites Klimaschutzabkommen beachtet werden. Gemessen an 1990 sollten die Industrieländer ihren CO2-Ausstoß zwischen 2013 bis 2017 um 18 Prozent reduzieren und zwischen 2018 und 2022 um 30 Prozent. Subventionen für fossile und atomare Energien seien bis 2010 zu beenden. Greenpeace: «In Industrieländern dürfen ab sofort keine neuen Kohlekraftwerke mehr genehmigt werden. Ausbaustopp für Kohlekraftwerke in Entwicklungsländern wie China und Indien ab 2015.»
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