Großkraftwerk: Wozu neue Kohle?
Daniel Bannasch | 18.12.2006 | Blog-9 | 1 Kommentar |

Umweltforum Mannheim und MetropolSolar Rhein-Neckar stellen Kraftwerksneubau in Frage

Im Mannheimer Großkraftwerk wird von den Anteilseigenern RWE, EnBW und MVV der Neubau eines Kohleblocks geplant. Und das, obwohl nicht nur ökologische, sondern gerade auch wirtschaftliche und regionalpolitische Gründe dafür sprechen, den zukünftigen Energiebedarf mit Einsparung, Effizienz und erneuerbaren Energien in den Griff zu bekommen.

Das Mannheimer Umweltforum und das regionale Netzwerk für erneuerbare Energien MetropolSolar Rhein-Neckar wenden sich daher mit einem umfangreichen Fragenkatalog an Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.

“Die Verstromung von Kohle ist die klimaschädlichste Form der Energieerzeugung. Der Bau neuer Kohlekraftwerke steht im krassen Widerspruch zum Klimaschutz. Bereits heute ist das GKM mit jährlich etwa 8 Millionen Tonnen CO2-Emission der zehntgrößte Luftverschmutzer in Deutschland,” sagt Oliver Decken, Geschäftsführer des Mannheimer Umweltforums. Gerade hat das Umweltbundesamt in einer Studie festgestellt: wenn die bundesweit geplanten Kohlekraftwerke tatsächlich gebaut werden sollten, sind die deutschen Klimaschutzziele nicht mehr einzuhalten. “Das wäre das Ende des Klimaschutzes in Deutschland”, erläutert Decken.

Aber nicht nur der Klimaschutz, sondern gerade auch wirtschaftliche Gründe sprechen dafür, auf die vorhandenen Alternativen zu setzen: “Der Neubau eines 800 MW-Kohleblocks im Mannheimer GKM wird tendenziell Arbeitsplätze verhindern und nicht schaffen. Allein im Bereich erneuerbare Energien gibt es heute bereits 170.000 Arbeitsplätze, bis 2020 werden 500.000 Arbeitsplätze in diesem Bereich erwartet. Hinzu kommen Arbeitsplätze im Bereich Sanierung, Effizienz etc.” meint Dipl.-Volkswirt Daniel Bannasch, Geschäftsführer von MetropolSolar Rhein-Neckar. “Wir starten gerade eine Studie, in der wir die Arbeitsplätze im Bereich Energieeffizienz, Einsparung und erneuerbare Energien in der Region erfassen wollen. Diese Arbeitsplätze entstehen bislang vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Region, die im Gegensatz zu vielen großen Konzernen auch hier ihre Gewerbesteuer zahlen. Man kann beim besten Willen nicht erwarten, dass die großen Energieversorger von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung begeistert sind, die bei anderen Unternehmen entstehen. Ganz anders müsste das allerdings für Politik und Stadtverwaltung aussehen.

Eine sehr detaillierte Studie von Greenpeace zum Neubau des Braunkohlekraftwerks Neurath hat für ein Alternativszenario auf der Basis von Energieeffizienz, Einsparung und erneuerbaren Energien einen Arbeitsplatzeffekt von +800% errechnet.” Sinnvolle Investitionen in eine zukunftsfähige Energieversorgung müssen nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden sein. Ein Beispiel: öffentliche Fördermittel für Altbausanierung stossen nach einer Heidelberger Berechnung pro Förder-Euro 7 Euro private Investitionen an. Über verschiedene Wege (u.a. Gewerbesteuer) kehrt jeder Förder-Euro wieder zur Stadt zurück. Bei der Förderung von Solarwärmeanlagen geht der Bundesverband Solarwirtschaft sogar von einem Verhältnis 1:10 aus.

“Wären allein die Subventionen für den 20%igen Anteil an deutscher Steinkohle (rund 60 Mio. EUR), die laut letztem Geschäftsbericht im GKM in einem Jahr verbrannt wurden, in einen Fördertopf für Altbausanierung oder Solarwärmeanlagen geflossen, hätte das rund eine halbe Mrd. Investitionen auslösen können,” rechnet Daniel Bannasch vor.

Im GKM werden nur geringe Teile der Abwärme genutzt. Bei der geplanten Vergrößerung der Kapazitäten um fast 400 MW würde noch mehr Abwärme entstehen, für die es keine Abnehmer gibt. Investitionen in Wärmedämmung oder Solarwärmeanlagen, die Arbeitsplätze im Handwerk bringen, wären vor diesem Hintergrund wirtschaftlicher und ökologischer Unsinn. Anders sieht es aus, wenn die Kraftwerksleistung des GKM verkleinert wird.

“Der anstehende Ausstieg aus der Atomkraft bietet die historische Chance zum Aufbau einer nachhaltigen, also effizienten und umweltschonenden Energiewirtschaft. Dafür brauchen wir keine Kohle! Die umweltfreundlichen Alternativen sind vorhanden. Nicht in Kohlekraftwerke, sondern in Erneuerbare Energieträger, Energiesparen und dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung muss investiert werden!” sagt Oliver Decken.

“Im Großkraftwerk Mannheim (GKM) sollen bis zu einer Mrd. Euro in den Neubau eines Kohleblocks investiert und in den nächsten Jahrzehnten mehrere Mrd. EUR für das Betriebsmittel Steinkohle ausgegeben werden, ohne dass eine Alternative zu dieser Investition geprüft wurde. Uns ist jedenfalls bisher nicht bekannt, dass ein solches Szenario existiert oder dessen Entwicklung überhaupt in Angriff genommen wurde. Wir brauchen ein solches Alternativkonzept unbedingt! Unser Fragenkatalog ist ein erster Anstoss für ein solches Konzept.”

Für Rückfragen: Oliver Decken Umweltforum Mannheimer Agenda 21 c/o Umweltzentrum Käfertaler Straße 162 68167 Mannheim Tel. 0621-331774 Fax. 0621-36752 www.umweltforum-mannheim.de



Eine Meinung

  • Oleg Kramer 07.08.2008 – 22:14 Uhr

    Guten Abend meine Damen und Herren

    Ihr Begehren das Kohlekraftwek in Mannheim nicht zu erneuern (es sollen ja für Block 9 zwei andere Blöcke geschlossen werden) ist meiner Meinung nach vollkommen richtig! Alleine in Hinblick auf die schwindenden Kohlerecourcen!

    Anstatt das Kohlekraftwerk zu erneuern, sollte man ein Modernes Atomkraftwerk bauen und in Betrieb nehmen! Die Versorgung des Kraftwerks mit der Recource Uran ist auf viel längere Zeit gesichert.

    Nun leider ist es momentan in Deutschland verboten Atomkraftwerke zu bauen! (anders als in allen anderen Ländern der Welt)

    Ich persönlich glaube an den ganzen Klimahype nicht. Es gibt zu viele wissenschaftliche Beweise, die die natürlichen Temperaturschwankungen erklären! Vor allem steht hier die zu bzw. abnehmende Sonnenaktivität als Klimabestimmende Kraft im Vordergrund!

    Darum bin ich im Endeffekt für den Bau des modernen Blck 9, der wie Jedermann weiß, eine viel bessere Stromgewinnungseffizienz als ein älterer Block besitzt.

    Ich freue mich vom tiefsten Herzen, dass Ihr Begehren nicht durchgekommen ist!

    Ihr Begehren wird nicht von der Masse der Bevölkerung getragen!

    PS: wer mit Sozialisten unter einer Decke steckt, die für den Schiessbefehl an der Berliner Mauer verantwortlich sind, sollte die Wahlberechtigung in unserem Land entzogen bekommen!




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